Aniswichtelspiel Teil 3

Mein nächstes Interview sollte in Herten Scherlebeck stattfinden. Herr von Cap wollte mich bei Einbruch der Dunkelheit in der Stichstrasse vor dem Zubringer treffen. Beinahe hätte ich die Einfahrt vor der Brücke verpasst. Ich parkte am Ende kurz vor der Fahrradtrasse und hielt Ausschau nach dem adretten jungen rötlichen Mann. 

Lange musste ich nicht warten als eine Gestalt geschmeidig aus dem Busch trat. 

Herr von Cap hatte sich einverstanden erklärt das ich ihn ein Stück begleiten darf. Nach einer kurzen Begrüßung machten wir uns schon auf den Weg. Entlang ging es zunächst auf dem Feldweg parallel zur Bahntrasse. Herr von Cap machte keinen Hehl aus seiner negativen Einstellung zu dem Bauwerk jüngster Hertener Geschichte. 

Er erinnert sich noch daran wie Idyllisch es hier in seiner Kindheit war bevor zahlreiche Menschen durch sein Revier rannten. 

Am Ende des Feldweges ging es auf der verhassten Asphaltstrecke weiter. Herr von Cap erklärte mir das er am liebsten auf dieses ganze Weihnachsbrimborium verzichten würde. Ein alter dicker Mann im roten Bademantel wäre doch nun wirklich etwas überholt. Seine Frau jedoch behaart darauf das es wichtig ist an Traditionen festzuhalten und die Kinder warten schließlich das ganze Jahr auf ihre Geschenke.

Ich hatte zuweilen Schwierigkeiten mit dem geschmeidigen Herrn mitzuhalten, der sich im Schutz der Dunkelheit überraschend nah an den Bebauungen der Zivilisation vorbeitraute. 

Wir erreichten ein kleines Wäldchen auf der rechten Seite. Am Naturschutzschild hielt von Cap abruppt an. Die Nase in den Wind wies er mich an kurz zu warten und ging in den Wald. Ich sah ihn noch links abbiegen,  aber mehr konnte ich bei der spärlichen Beleuchtung meiner kleinen Taschenlampe nicht erkennen .  

Ich musste an seine Ausführungen zu seinem Namen denken, den er einem Zeichentrickfilm verdankte. Seine Eltern schauten gerne in den Häusern durch die Fenster in die flackernden Bilderkisten und dieser Film hatte es ihnen besonders angetan. Eine Leidenschaft die Herr von Cap nicht teilen konnte. 

Nach wenigen Minuten kam er bereits wieder zurück. In seiner etwas herablassenden Art bedankte er sich förmlich bei mir für das Gespräch – machte mir aber unmissverständlich klar das ich nun nicht weiter mitkommen dürfte. Er hätte den ersten Hinweis gefunden. Nun müsste er alleine weiter.

Mit diesen Worten verschluckte ihn die Dunkelheit. 

Tina Balzetta Lokale Tageszeitung 

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